Neuordnung seit dem 01.08.2006

Seit dem Sommer 2006 haben die Auszubildenden in Arztpraxen einen neuen Namen: "Medizinische Fachangestellte".

Notwendig wurde die Neuordnung, weil sich die Arbeitsprozesse bei der Patientenversorgung in Arztpraxen in den letzten 20 Jahren erheblich gewandelt haben und somit auch die Anforderungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutlich gestiegen sind. Daher erhalten kommunikative Fähigkeiten, Prävention, Erste Hilfe und Praxismanagement einen höheren Stellenwert.

Insbesondere die Beratung und Betreuung von Patienten wird jetzt noch intensiver vermittelt und geübt. Da sich in den Arztpraxen der Verwaltungsaufwand erheblich erhöht hat, sind die Dokumentation von Patientendaten und der Datenschutz neben der Qualitätssicherung wichtiger geworden. 

Methodisch wird  im Berufsschulunterricht daher noch stärker als bislang die Handlungskompetenz im Vordergrund stehen. Das bedeutet konkret, der Unterricht orientiert sich an beruflichen Handlungssituationen der Medizinischen Fachangestellten. Die Fachsystematik ist dabei nicht mehr das vorrangige didaktische Kriterium zur Inhaltsauswahl, was z. B. in den medizinischen Lernfeldern dazu führt, dass nicht mehr der Körper als Ganzes mit allen Organsystemen behandelt wird. Es wird vielmehr exemplarisch an Patientenfällen gearbeitet.

Rechnungswesen wurde gänzlich aus den schulischen Lehrplänen gestrichen, Mathematik wird ausschließlich situationsbezogen unterrichtet. Abrechnung wird nicht gesondert im Zeugnis ausgewiesen, da die Inhalte in nahezu alle Lernfelder einfließen.

Wie bislang bieten die BBS Haarentor im dritten Ausbildungsjahr eine Zusatzqualifikation "Ärztliches Labor" an.

Der berufsbezogene Unterricht ist folgendermaßen organisiert:

 Grundstufe (1. Ausbildungsjahr)

 

Unterrichtsfächer und berufsspezifische Lernfelder
Deutsch/Kommunikation
Englisch/Kommunikation
Politik
Sport
Religion
(1) Im Beruf und Gesundheitswesen orientieren
(2) Patienten empfangen und begleiten
(3) Praxishygiene und Schutz vor Infektionskrankheiten organisieren

(4) Bei Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Bewegungsapparates assistieren

Fachstufe 1 (2. Ausbildungsjahr)

 

Berufsspezifische Lernfelder
(5) Zwischenfällen vorbeugen und in Notsituationen Hilfe leisten
(6) Waren beschaffen und verwalten
(7) Praxisabläufe im Team organisieren
(8) Patienten bei diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen der Erkrankungen des Urogenitaltraktes begleiten

 

Fachstufe 2 (3. Ausbildungsjahr)

 

Fächer und berufsspezifische Lernfelder
Politik
(9) Patienten bei diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen des Verdauungstraktes begleiten
(10) Patienten bei kleinen chirurgischen Behandlungen begleiten und Wunden versorgen
(11) Patienten bei der Prävention begleiten
(12) Berufliche Perspektiven entwickeln
Zusatzqualifikation Ärztliches Labor

  

Die Prüfungsanforderungen an die/ den Medizinische Fachangestellte(n) wurden ebenso wie die Bestehensregelungen verschärft. Während die Zwischenprüfung wie bislang in den einzelnen Kammerbezirken abgenommen wird, wird die Abschlussprüfung zentral in Hannover erstellt, wobei verstärkt das Denken in Zusammenhängen gefordert wird. Die Praktische Prüfung wird weiterhin in den Kammerbezirken stattfinden und 75 Minuten dauern (siehe auch Rubrik "Prüfungen").